Hammelburg
Wie können mehr Frauen für politische Verantwortung gewonnen werden? Welche Rolle spielt die Europäische Union bei der Gleichstellung? Und was können Kommunen selbst dazu beitragen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des APG-Stammtisches am 16. Oktober im Europahaus Hammelburg.
Der Arbeitskreis Politik und Gesellschaft (APG) ist Teil der Europa-Union in Hammelburg und veranstaltet regelmäßig offene Stammtische zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Die Treffen richten sich an Interessierte aller Altersgruppen und bieten Gelegenheit zur Information und zum gemeinsamen Austausch.
Stefanie Schneider, stellvertretende Leiterin des APG, berichtete über das europapolitische Seminar „Frauen für Europas Zukunft – Lokal handeln, Politik gestalten“, das Ende September an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing in Kooperation mit FidiP e. V. und mit Unterstützung des Europäischen Parlaments stattgefunden hatte.
Anhand internationaler Vergleiche verdeutlichte Schneider die unterschiedliche Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen. Während Frauen rund 52 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, liegt ihr Anteil im Bundestag bei lediglich 32,4 Prozent. Auch in der Kommunalpolitik sind Frauen unterrepräsentiert. Nur etwa 13,5 Prozent der Bürgermeisterämter sind mit Frauen besetzt.
Andere Länder zeigen, dass höhere Frauenanteile durch gezielte Förderung, verbindliche Regelungen und entsprechende politische Rahmenbedingungen möglich sind. Allerdings seien die politischen Systeme nicht unmittelbar vergleichbar. Auch der Global Gender Gap Report 2026 verdeutlicht bestehende Unterschiede. Weltweit sind demnach erst 69,2 Prozent der Geschlechterlücke geschlossen. Bei gleichbleibendem Tempo könnte die vollständige Gleichstellung noch rund 120 Jahre dauern.
Schneider erläuterte die EU-Gleichstellungsstrategie 2026–2030 mit ihren Schwerpunkten bei politischer Teilhabe, wirtschaftlichen Chancen, Schutz vor Gewalt und Gleichstellung in Führungspositionen. Anhand der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie und der Führungspositionenrichtlinie zeigte sie, wie politische Ziele in konkrete rechtliche Vorgaben umgesetzt werden. Entscheidend sei jedoch, dass diese Maßnahmen auch im Alltag Wirkung entfalten.
Besonderes Augenmerk legte Schneider auf die Möglichkeiten vor Ort. Frauen müssten gezielt ermutigt werden, politische Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig brauche es geeignete Rahmenbedingungen. Dazu gehören familienfreundliche Sitzungszeiten, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Pflege und Ehrenamt, faire Chancen bei politischen Ämtern sowie stärkere Netzwerke. Auch Männer seien als Unterstützer und Mitgestalter gefragt. Gleichstellung könne nur gelingen, wenn Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung übernehmen und bestehende Strukturen weiterentwickeln.
Im Anschluss moderierten APG-Leiter Stefan Heller und seine Stellvertreterin Stefanie Schneider gemeinsam den Austausch mit den Teilnehmenden. Dabei standen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und die Frage im Mittelpunkt, wie Frauen stärker für politische und gesellschaftliche Aufgaben gewonnen werden können.
Eine wichtige Erkenntnis des Abends: Veränderungen müssen nicht ausschließlich von Brüssel oder Berlin ausgehen. Auch Kommunen, Vereine, Parteien und gesellschaftliche Organisationen können dazu beitragen, Beteiligung zu fördern und faire Chancen zu schaffen.
### Nächster APG-Stammtisch am 21. November
Der nächste Stammtisch des Arbeitskreises Politik und Gesellschaft findet am Samstag, 21. November 2026, um 17 Uhr im Europahaus am Viehmarkt in Hammelburg statt. Interessierte aller Altersgruppen sind eingeladen, sich zu informieren, mitzudiskutieren und eigene Gedanken einzubringen.