Tim F., ein junger Mann aus dem Südosten Russlands, wurde als Oppositioneller in Russland verfolgt, flüchtete über das transkaukasische Gebirge nach Georgien und lebt seit 2022 mit einem humanitären Visum in Deutschland. Bei einem von Dr. Reinhard Schaupp moderierten Podiumsgespräch erzählte er vor 70 Zuhörerinnen seine bewegte Lebensgeschichte. Seit 2017 engagierte er sich bei Protesten gegen das Putin Regime und wurde vom russischen Sicherheitsdienst auf der Straße verfolgt und überwacht. Er berichtete über Bankkontensperrungen, Wohnungseinbrüchen, Telefonüberwachungen, Berufsverboten, Polizeiverhören und Inhaftierungen von regierungskritischen Menschen. Mit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine am 24.2. 2022 verschärfte sich die Situation und die Meinungsfreiheit wurde noch weiter eingeschränkt, so Tim. Das Mediengesetz von 2022 erlaubt langjährige Haftstrafen für die Veröffentlichung von angeblichen „Falschinformation über die russischen Streitkräfte“. Zahlreiche politisch Gegner Putins, wie Alexej Nawalny, Boris Nemzow, Anna Politkowskaja, Sergei Skripal und viele andere seien in Russland oder im Ausland auf mysteriöse Weise ums Leben bzw. nachweislich ermordet worden. Putin selbst sehe sich in der Tradition der Zaren Peter und Katharina, teilweise auch Stalins und wolle durch Kriege wieder ein großes russisches Reich herstellen und das sei eine Gefahr für Europa, so der junge Mann aus Russland. Seine Zukunft sehe er in „einem friedlichen und demokratischen Europa“. Der Bürgerdialog war ein Teil der Veranstaltungsreihe „Leben in Freiheit und Unfreiheit“, ein Kooperationsprojekt von Europa Union, VHS und Aktionskreis Demokratie in Hammelburg. Die nächste Veranstaltung findet am 13. April statt. Die Zeitzeugin Birgit Heid wird über ihre Haft in der ehemaligen DDR berichten.
Text: Wilfried Vogler